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Schleudertrauma
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Das Schleudertrauma ist ein viel umstrittenes Thema im Zusammenhang mit Schmerzensgeldforderungen und Rentenansprüchen von Unfallopfern, da in vielen Fällen keine objektiven Befunde vorliegen, also keine körperlichen Schäden nachweisbar sind.

Die abrupte Beschleunigung des nach hinten gesicherten (z.B. Sitzlehne) Rumpfes führt zu einer peitschenschlagförmigen (deshalb wird teilweise auch der Begriff "Peitschen schlag-Synd rom" verwendet), gegensinnigen Rückwärts bewegung des Kopf es. Je nach Krafteinwirkung, vor allem bei fehlender Abstützung (z.B. Nacken stütze), treten Schädigungen auf, die von einer einfachen Zerrung der Muskeln und Bänder bis hin zu komplizierten Wirbelbrüchen reichen können. Weitere Verletzungsmöglichkeiten im Rahmen eines Schleudertrauma s sind Blutung und Ödeme (= Flüssigkeitsansammlung) im Bereich der ventralen Weichteile (= nicht-knöcherne Teile des Körpers im vorderen Bereich), retropharyngeale Hämatome (= Blutergüsse hinter dem Schlund) und Kehlkopfverletzungen.

Der veraltete Begriff „Schleudertrauma“ wird zunehmend durch die (korrekte) Bezeichnung „Beschleun igungstrauma“ ersetzt.

Nach Erdmann werden beim Schleudertrauma 3 Schweregrade

 

unterschieden:

 

 

 

 

     I:  unauffälliges Röntgenbild, keine Weichteilverletzungen (= Verletzung

         von nicht-knöchernen Teilen des Körpers),

 

 

     II:  isolierte Weichteilverletzungen und

 

 

     III: knöcherne Verletzungen.

 

 

 

Oftmals persistiert (= verbleibt) beim Schleudertrauma nach der Akutphase ein Zervikalsyndrom, das dann auch als solches, wie unten ausgeführt, schmerztherapeutisch behandelt werden kann. 
Wenn nach einem Schleudertrauma vegetative Begleitsymptome (Übelkeit, Brechreiz, Schwindel, Ohrgeräusche) haben sich Stellatumblockade
n (= Betäubungen einer vegetativen Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) in Serien bewährt.
 

Medikamentöse Schmerztherapie: 
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können beim Cervicalsyndrom als Folge eines Schleudertrauma
s zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 

Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel
) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber auch bei Schmerzen nach einem Schleudertrauma eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockade n.

Infiltrative Lokalanästhesie:
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die
Wirbelsäule angrenzenden Mus kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in den Muskeln) nach vorheriger Identifizierung derselben.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockade n:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich beim Schleudertrauma Blockaden
(= Betäubungen) der korrespondierenden Ner venwurzeln (= Nervenaustrittstellen neben der
Wirbelsäule). 
Gegen Schmerzausstrahlungen in den
Hinterkopf im Rahmen eines oberen Zervicalsyndrom s wirken wiederholte Betäubungen Nn. occipitales (= Nerven am Hinterhaupt).
Schmerzausstrahlungen in
Schulter / Arm, wie sie beim mittleren/unteren Zervikalsynd rom in typischer Weise vorkommen, sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Pl exus brachial is (= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe Plexus-brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten).

Zur Behandlung der Schmerzen nach einem Schleudertrauma kann auch die kontinuierliche, interskalenäre (= zwischen Muskeln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachial is durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.

Physikalische Therapie bei Zervikalsynd rom (Zustand nach Schleudertrauma)
Auch die Elektrostimulation kann bei Beschwerden nach einem Schleudertrauma
eine Linderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Halswirbelsäule aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit einem Schleudertrauma empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam.
Warme Bäder können ebenfalls Rücken -  und Gliederschmerzen lindern.
Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann beim Schleudertrauma hilfreich sein.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim Zervikalsynd rom infolge eines Schleudertrauma
s nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber beim Zervikalsynd rom die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Mus kulatur neben der Halsir belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann. 

Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur (Schmerzakupunktur) nicht unerwähnt bleiben. Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen. 
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. Schanzsche Krawatte sollten dem Orthopäden vorbehalten sein. 
Hypnoide
(= bewusstseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind bei anhaltenden Schmerzzuständen nach einem Schleudertrauma im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).

Bei längerfristig bestehenden chronischen Schmerzen nach einem Schleudertrauma ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Erläuterungen:

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schmerz gedächtnis zu löschen.  

   
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Aktualisiert: 18.08.06 k u
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M
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N
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P Paget Syndrom, Pankolitis (www.pancolitis.de), Pansinusitis (www.pansinusitis.de), Paraparese, Paraplegia, Paraplegieparoxysmale HemikraniePatellaspitzensyndrom, Pelvipathie (www.pelvipathie.de), Periarthritis, Periarthropathia humeroscapularis, Periarthropathie, Periostitis calcanei, periphere arterielle Durchblutungsstörungenperiphere arterielle Durchblutungsstörung, periphere arterielle VerschlußkrankheitenPhantomschmerz, Phantomschmerzen, Piriformis-Syndrom (www.piriformis-syndrom.de), Plantarer Fersensporn, Plantarfasziitis, Plexusneuritis, Plica-Syndrom, Polyarthritis (www.polyarthritis.co.uk), Polyneuropathie (www.polyneuropathie.net), Polymyalgia, Polyneuropathien (1), Polyneuropathien (www.polyneuropathien.com) (2), Polyradikuloneuritis, Poplitea-Kompressionssyndrom (www.poplitea-kompressionssyndrom.de), Postherpetische Neuralgie (www.postherpetische-neuralgie.de), Postdiskektomie-Syndrom, Postdiskotomie-Syndrom, Postenteritische Arthritis, Postherniotomie-Syndrom, Postnukleotomie-Syndrom, Postthorakotomie-Syndrom, Postthrombotisches Syndrom, Posttraumatische Arthrose, Posttraumatische Kopfschmerzen, Postzosterneuralgie (www.postzosterneuralgie.org), Postzosterische Neuralgie (www.postzosterische-neuralgie.com), Processus styloideus-Syndrom, Proktodynie, Pronator teres-Syndrom, Prosopalgie, pseudoradikuläre Syndrome, psoriatische Arthritis, Psoarisspondarthritis, Pudendus-Neuralgie 
Q
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